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25 Jahre im Rückblick
Eine neue Sportart entwickelt sich



Als sich der US-Major Dr. Kenneth H. Cooper 1972 mit Versuchen beschäftigte, die Wirkung von Ausdauertraining auf Herz und Kreislauf zu erforschen, ahnte noch niemand von dem Boom, dessen Vater eigentlich er sein würde. Dr. Cooper hatte, als Militärarzt, auch die Gesundheit und die Verbesserung und Heilung von Herz-Kreislaufproblemen der Militäran-gehörigen als Aufgabe. Über hunderte von Tests und Trainingsvorschlägen kam er schließlich zur Erkenntnis, dass ein kontrolliertes Ausdauertraining als Prävention für Herz- und Kreislauf ideal einsetzbar wäre. Zusätzlich entwickelte er den, inzwischen weltweit bekannten, Cooper-Test. Dieser Test wird als Möglichkeit angesehen, die aerobe Ausdauerleistung bei wenig oder nicht Trainierten relativ genau zu ermitteln. Die Testdurchführung sieht einen 12 Minuten-Lauf vor, der auf einer ebenen und ausgemessenen Strecke durchgeführt wird. Die Testperson versucht, in diesen 12 Minuten, so weit wie möglich zu kommen. Die Streckenlänge ist aussagefähig über den konditionellen Zustand der Testperson. Auf Grund seiner Forschungen veröffentlichte er im Jahr 1976 ein Buch über seine Ergebnisse und deren positiven Auswirkungen auf das Herz-Kreislaufsystem unter dem Titel "Aerobics". Damit meinte er das Training im aeroben Bereich, also mit ausreichender Sauerstoff-versorgung des Trainierenden. Er löste damit in den USA einen Boom zum Ausdauer-training aus und brachte einige amerikanische TrainerInnen auf die Idee, Ausdauertraining in ihre Gymnastikprogramme aufzunehmen. Um nur einige zu nennen, welche unter den unterschiedlichsten Bezeichnungen ihre Programme veröffentlichten: zB. die kanadischstämmige Jackie Soerensen - welche zusätzlich zu einem ausdauerorientierten Musikgymnastikprogramm auch einen Kraftteil mit Namen “Isotonics” vermarktete. Oder die Tanztrainerin Judy Sheppard, welche von der Jazzgymnastik kommend, ihre Technik “Jazzercise“ nannte. Und schließlich auch die Schauspielerin Jane Fonda mit ihrer Lehrerin Leni Cazden, welche in den Jahren 1982 und 1983 zwei Studios in San Franzisco eröffnete und ihre Gymnastik "Aerobic" nannte. Und es war Jane Fonda, die auf Grund ihres Bekanntheitsgrades das Aerobic in den USA zum Boom werden ließ. Fonda veröffentlichte dann auch ihr Workoutbuch "I feel good" mit einem großen Übungsteil, aber auch mit entsprechenden Ernährungsvorschlägen. Allerdings hatte damals das Aerobic-Tanzen, wie es die Amerikaner nannten, noch einige kleinere Probleme. Da der Hintergrund aller Aerobic-Varianten-Erfinderinnen vom Ballett und Tanz stammte, wurden viele Ballettübungen eingebaut, welche zwar für trainierte und bewegliche Tänzer kein Problem waren, aber der untrainierten Hausfrau mit der Zeit echte gesundheitliche Probleme brachte. Ungeachtet dessen boomte Aerobic in den nächsten Jahren über die ganze Welt. Der Vater des Aerobic, Dr. Cooper, distanzierte sich anfangs sehr von dieser Welle, schwenkt aber später ein und bestätigte positive Auswirkungen auf das Herz-Kreislaufsystem durch Aerobic. Er gründete in diesen Jahren die "Cooper-Research-Clinic", ein in-zwischen weltweit anerkanntes Institut für Forschungen über die Auswirkungen von Training, Ernährung und Entspannung als Präventivmaßnahmen gegen Herz-Kreislauferkrankungen.
  In Europa war die Schauspielerin Sydney Rome die Gallionsfigur und heizte in den Jahren 1984 bis 1987 den Boom so richtig an. Sie eröffnete ebenfalls einige Aerobic-Studios und veröffentlichte auch ein Buch. In Österreich, in Wien war der aus Jamaika stammende Charles Marquis der erste, der in einem renomierten Wiener Kosmetikstudio die ersten Aerobic-Kurse einführte. In Linz war es Günter Pölzer, Inhaber des Olympic-Fitnessclubs, welcher als erster, 1984, das Jane-Fonda-Aerobic nach Oberösterreich brachte. Alle Zeitschriften und sonstigen Medien sprangen auf den Aerobic-Zug auf und pushten zusätzlich. In den Sportstudios wurden Räume freigemacht um von teilweise selbsternannten Aerobic-TrainerInnen Kurse anzubieten. Viele Glücksritter suchten sich Lagerhallen und ähnliches um ebenfalls am "money-making" mit zu machen. Rück-blickend kam man die vielen Fehler leicht ansprechen, die damals gemacht wurden: zB. die Böden der Aerobic-Studios waren oft nur Plastikbeläge auf dem Beton-Estrich, es gab keine entsprechenden Schuhe um belastungsfrei zu trainieren, das Übungsgut war oft eine Mischung aus herkömmlicher Gymnastik, Ballettübungen und Yogaelementen, zumeist von nicht oder schlecht ausgebildeten TrainerInnen vorgezeigt. Die modisch gekleidete Aerobikanerin trug damals die "Leg warmers" aus dem Ballett und Stirnbänder und Schweißbänder für die Handgelenke zum traditionelle schwarzen Gymnastikanzug und Gymnastikschlüppchen. Sogar die sonst eher schnell reagierende Bekleidungsindustrie sprang erst mit zweijähriger Verspätung auf den Aerobic-Bekleidungszug auf. Man hatte den Boom total falsch eingeschätzt und verschlafen !
Aerobic schaffte etwas, was vorher nie gelungen war, nämlich die Frauen in die Fitness-Center zu bringen. Die Betriebe wurden mehr gestylt um dem neuen Klientel, den Frauen, auch optisch ansprechend zu erscheinen. Aerobic hat, das kann man jetzt im Rückblick sagen, die gesamte Fitnessbranche umgekrempelt, indem es die Frauen in die Studios brachte. Durch den Aerobic-Boom, wurden auch der Fitnessbranche wichtige und starke Impulse gebracht und ein starker Wachstumsschub setzte ein !
1988 tauchten dann die ersten Kritiken über Aerobic auf, Verletzungen wurden bekannt, der Boom begann, auch auf Grund der negativen Presse abzuflauen. In den folgenden Jahren sank Aerobic dann im Studiobetrieb herab zu einer von vielen Musikgymnastiken - der Boom war tot - Aerobic wurde zu Grabe getragen.
Und wie es oft der Fall ist, die Totgesagten leben am längsten !
Zu Beginn der 90er war Aerobic wieder da - besser - gesünder - mit mehr Power, Organisation und - wichtig - Ausbildungen und einem medizinischen und sportwissenschaftlichen Background ! Man hatte die Übungen durchgecheckt, gesiebt, die Programme und die Musik perfektioniert, eine einheitliche Zeichensprache entwickelt und siehe da - Aerobic erlebte einen zweiten Aufschwung ! In San Diego wurden 1988 die 1. Weltmeisterschaften durchgeführt und nationale und internationale Verbände gegründet, Meisterschaften - Regeln - Ausbildungen/Prüfungen - Sicherheitsregeln - alles war da. Aerobic begann sich zu etablieren ! Die Industrie hatte eigene Aerobic-Fußböden entwickelt, die Bekleidungs-industrie die Schuhe, es gab Aerobic-Musik - die Basis war stabil geworden.
  Dann kam 1989 der nächste Impuls: die US-Trainerin Gin Miller hatte - bedingt durch eine Knieverletzung - als Muskelaufbautraining eine Holzkiste zum Auf und Absteigen benützt und, damit es nicht so langweilig wurde, dieses Reha-Training mit Musik gemacht.
Das STEP-Aerobic war geboren. Unterstützt vom US-amerikanischen Schuhhersteller Reebok, welcher eine höherverstellbare Stufe entwickelte, wurde STEP-Aerobic 1990 erstmals aiuf der FIBO in Köln vorgestellt. Der nächste Boom war geboren. Ein universelles Trainingsgerät wieder"entdeckt". Denn der "Step" war in der Leistungsphysiologie schon lange bekannt, als Testgerät für den sogenannten "Havard Step Test", einem einfachen Konditionstest, welcher an der Havard-University entwickelt und an tausenden Studenten getestet und durchgeführt wurde. Und seit diesen Jahren wird Aerobic jedes Jahr in neuen, abwechslungs-reichen Varianten ge"pusht". Um nur einige dieser Spielformen zu nennen: Slide - seitliches Gleiten auf einer speziellen Matte, Pump - das Gruppentraining mit leichten Langhanteln. usw.
Auch die Kampfsportarten wurden ins Aerobic eingebaut beim Kara-T-robic. Die neuesten Trends (2001) sind das Tae-Bo, des Billy Blanks und eine neuere Trainingsform mit Gleichgewichtsübungen, das Reebok-Core-Training. Es scheint, das Aerobic, eine der universellsten Trainings- und Bewegungsformen geworden ist.
Auch der Musikstil änderte sich, wurde vielfältiger, Hip-Hop, Salsa, Latino und verschiedene andere. In allen Industriestaaten finden zahlreiche "Conventions" statt. Auf diesen Veranstaltungen treffen sich hundert, sogar manchmal tausende Aerobic-Freaks um sich von "Presentern" die neueste Variationen und Choreographien zeigen zu lassen. In Österreich etablierten sich im Laufe der letzten 10 Jahre verschiedene Ausbildungsorganisationen, welche Conventions und Ausbildungen organisieren: so zB. die AISA, mit Neno Amadeus, der ÖAV, die PAX, die AFAS mit Franz und Karin Gerhartl, oder "The Academy" von David Camaroo und Peter Picolin, das GYMnasium von Alex Lang, auch
Reebok University - mit Sitz derzeit in Salzburg in den Vita-Studios, in Innsbruck die Trainline-Organisation von Michaela Weibel-Underberg und schließlich folgten im Jahr 1996 die Bundesanstalt für Leibeserziehung (BAfL) in Innsbruck und Linz mit staatlich anerkannten Aerobic-Ausbildungen.


Übersichtstafel


Stand vom September 2001